Goldrausch

Es riecht so herrlich, wenn man früh morgens aus der Tür tritt. Eine der wenigen guten Eigenschaften des Novembers ist der typische Herbstgeruch nach Feuchtigkeit und Pilzen mit einem Hauch Vorfreude auf den Winter. Wenn die Sonne sich durch die Nebelschwaden bricht und das goldene Laub zum Strahlen bringt, lässt sich der Abschied vom Gartenjahr einigermaßen bewältigen. Vor allem, wenn die Laubernte großzügig ausfällt. Meine größte Sorge dieser Tage ist, wie viel Laub ich morgens retten kann, bevor es von Autos zu Matsch zerfahren oder – noch schlimmer – von lärmenden Laubsaugern zusammengeschlürft und wie Müll entsorgt wird.

Spinnerei mit System

Ich weiß, Gärtner spinnen. Eine meiner Spinnereien ist, dass ich die Saison nicht zufrieden abschließen kann, so lange meine Beete nicht gemütlich zugedeckt sind. Unter einer leichten Decke aus Herbstlaub, mit einer Schicht Kompost am Platz gehalten, überstehen Boden, Insekten und viele Pflanzen den Winter einfach besser. Doch mit dem perfekten Laub ist das so eine Sache. Längst nicht alles kommt in Frage. Es sollte dünn genug sein, dass es bis zum Frühjahr leicht verrottet. Gleichzeitig soll es vor Frost schützen. Eichenlaub, das ich massenhaft haben könnte, ist viel zu hart und auch zu sauer, um etwas anderes als die Rhododendren, Azaleen und Heidelbeeren zu mulchen. Unter dem harten Laub fühlen sich zudem die Nacktschnecken recht wohl. Die Ahornblätter, die ich vor zwei Jahren aus dem Nachbarhof angenommen habe, verrotten zwar wunderbar. Doch überall, wo ich sie sorgsam verteilt hatte, keimten im Frühjahr kleine Bäumchen. Wer einmal mühsam die Pfahlwurzeln aus allen Gartenecken gegraben hat, weiß, warum ich die Gratisgabe Ahornlaub höchstens auf den Kompost gebe.

Verpackungsmaterial auswählen

Beim Laub für die Beete bin ich daher wählerisch. Die Blätter meiner Süßkirschen- und Apfelbäumchen harke ich direkt vom Rasen auf das angrenzende Beet und beschwere sie mit ein wenig Kompost. Schon ist alles schön verpackt. Auch die kleine Birke steuert wertvolle Blätter bei. Die Haselnuss-Sträucher sorgen für sich selbst, das Laub bleibt einfach zu ihren Füßen liegen. Leider reicht das bisschen Laub nicht annähernd für den ganzen Garten. An der Straße stehen jedoch schöne Linden mit perfektem, goldenem Laub. Wenn ein leichter Wind die Blätter über Nacht heruntergewedelt hat, klaube ich morgens meine Beute zusammen. Wenn dann alles auf den Beeten verteilt ist, freue ich mich an den letzten Farbtupfern und an meiner eigenen Zufriedenheit über den Goldrausch.

Klar zur Wende?

Umgraben oder nicht umgraben? Gärtner können diese Frage lange und leidenschaftlich diskutieren. Der Boden selbst würde sich dagegen entscheiden.

Umgraben ist wichtig, sagen viele gestandene Gärtner. Nur so erhalte man eine gute Bodengare, also einen fruchtbaren, krümeligen, humosen, gut durchlüfteten Boden. Bloß nicht umgraben, kontern seit Jahren vor allem Biogärtner. Das Wenden der Schollen zerstöre den Lebensraum der Bodentiere. Wer hat Recht?

Fest steht, dass der Boden ein kompliziertes Gefüge aus mineralischen und organischen Stoffen, feinen Wasseradern und Luftporen ist, in denen Wurzeln und Pilze weite Netze weben. Bakterien und Algen errichten unsichtbare Kolonien. Und zahlreiche Tiere vom Maulwurf bis zum winzigen Fadenwurm gehen ihren Geschäften nach. In einem gesunden Boden tragen alle zu einem stabilen Gleichgewicht zwischen Abbau und Aufbau bei.

Der Boden lebt

Die Organismen in den oberen drei bis acht Zentimetern verarbeiten fast alles, was ihnen an organischer Substanz vor die Nase kommt. Erst vertilgen größere Tiere wie Regenwürmer die abgestorbenen Pflanzenteile und ziehen sie in die Erde. Mikroorganismen zersetzen, was übrig bleibt. Dabei entstehen neben Kohlendioxid auch Pflanzennährstoffe wie Kalium, Harnstoff, Magnesium oder Phosphat. Der Bodentrupp braucht Luft, Wärme und etwas Feuchtigkeit, um optimal arbeiten zu können. An holzigen Materialien wie Ästen, Stängeln, Stroh oder Rinde beißt sich die Müllbrigade jedoch die Zähne aus. Hier machen sich Bakterien und Pilze ans Werk und zerlegen das Material zu Humus. Das klappt am besten unter der Erde oder einer Mulchschicht aus Laub, Rasenschnitt oder Pflanzenresten. Denn Bakterien und Pilze mögen es eher dunkel, feucht und etwas kühler als ihre Kollegen aus der oberen Etage. Erst der Humus macht die Erde krümelig und nährstoffreich.

Wirbelsturm im Beet

Beim Umgraben wird der Boden mit jedem Spatenstich gewendet. Das fein abgestimmte Räderwerk der Bodenlebewesen gerät durcheinander. Die Sauerstoff liebenden Organismen aus dem Obergeschoss landen unten und schnappen nach Luft. Die Dunkelheit liebenden Tiefparterre-Bewohner trocknen in der Sonne aus. Es dauert mehrere Wochen, bis sich alle wieder sortiert haben.

Mulchen statt Graben

Inzwischen hat sich bei den meisten Hobbygärtnern die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur schwere, lehmige Böden tatsächlich umgegraben werden sollten. Die dicken Bodenklumpen werden dann durch starken Frost gesprengt. Diese sogenannte Frostgare macht den Boden schön feinkrümelig. Doch die Freude währt nicht lange, denn ein schwerer Boden verklumpt nach wenigen Regengüssen wieder. Gerade schwere Böden brauchen Humus, damit sie leicht zu bearbeiten sind und dem Gemüse ein gutes Zu Hause bieten. Dafür wird Jahr für Jahr gemulcht und möglichst häufig Gründünger (Lupine, Klee, Gelbsenf, Bienenfreund etc.) gepflanzt.

Sandige oder mittelschwere Böden brauchen nicht umgegraben zu werden. Es reicht, die Erde mit der Grabegabel zu lockern, ohne sie zu wenden. Dazu einfach die Grabegabel alle 20 Zentimeter einstechen und hin und her bewegen. Wer den Boden im Winter mit Laub, halbverrottetem Kompost, Ernteresten oder abgemähten Gründüngerpflanzen zudeckt, erhält die Nährstoffe und serviert Regenwürmern und Mikroorganismen Feinkost. Im Februar wird die Mulchdecke entfernt und kompostiert, der Boden mit einem Sauzahn oder Grubber durchgelockert und mit reifem Kompost versorgt. Dann kann das Gartenjahr wieder losgehen.

Lazy Gardening - entspannt gärtnern

Etwas weniger Perfektion sowie eine geschickte Auswahl und Kombination von Pflanzen erleichtern das Gärtnern. „Lazy Gardening“ ist der Trend zum unangestrengten Gärtnern.

Gartenarbeit entspannt und ist ein schöner Ausgleich zum oft hektischen Alltag. Allerdings artet es schnell in Stress aus, wenn man auch noch den letzten Grashalm akkurat geschnitten haben möchte. Ganz ohne Pflege hingegen wird aus dem Garten schnell Urwald. Auch wenn beide Extreme ihre Anhänger haben, liegt für die meisten der richtige Weg in der Mitte: Sie wollen mit vertretbarem Aufwand ein ansehnliches Ergebnis. In seinem Artikel „Blumengärten für intelligente Faule“ schrieb der berühmte Staudengärtner Karl Foerster bereits 1925: „Das Kunstwerk eines Gartens scheint mir erst dann vollkommen, wenn seine Pflegearbeiten und Pflegekosten ganz bestimmte Grenzen einhalten.“ Genau das ist das Prinzip von „Lazy Gardening“, frei übersetzt wohl am ehesten mit „entspannt gärtnern“. Damit ist nicht Faulheit gemeint, sondern eher eine gewisse Lässigkeit. Das ist zunächst eine Frage der Einstellung. Wer bei Löwenzahn im Rasen oder Blattläusen am Gemüse einen Wutanfall bekommt, wird nicht entspannt gärtnern können.

Wichtigstes Prinzip: Gärtnern mit dem Standort

Das wichtigste Prinzip nach Einstellung ist: Gärtnern Sie mit dem Standort! Vergessen Sie Rittersporn und Phlox, so schön sie auch sind, wenn Sie einen sandigen Boden haben. Sie werden Ihre ständige Mühe haben und am Ende frustriert sein, während Spornblumen und Königskerzen prächtig gedeihen. Beim entspannten Gärtnern geht es nicht darum, die natürlich vorkommenden trockenen, feuchten oder schweren Böden mit viel Aufwand zu „optimieren“, sondern mit ihnen zu leben. Zu jedem Standort gibt es passende, pflegeleichte Blumen, Sträucher und Gemüse. Es gibt sogar Pflanzen, die steinige und nährstoffarme Böden mögen, etwa Lavendel oder Heidegewächse. Die meisten Obstsorten brauchen jedoch viel Sonnenschein, von Himbeeren und Erdbeeren einmal abgesehen. Lazy-Gärtner bevorzugen mehrjährige, frostharte Gewächse statt einjähriger Pflanzen. Die treiben immer wieder aus und müssen nicht neu gesät oder gepflanzt werden. Bei Sträuchern und Bäumen haben diejenigen die Nase vorne, die keinen regelmäßigen Schnitt brauchen.

Der unentspannte Rasen

Wer jetzt glaubt, ein pflegeleichter Garten sei mit großen Rasenflächen schnell erreicht, sitzt gleich zwei populären Irrtümern auf. „Ein wahrer Moloch an Zeit- und Geldverbrauch ist in vielen Fällen die Schaffung und Erhaltung eines schönen Rasens“, schrieb schon Karl Foerster. Vertikutieren, Düngen, regelmäßig (mindestens einmal die Woche!) Mähen und Unkrautentfernen – all das kostet mehr schweißtreibende Stunden als ein standortgerechtes Staudenbeet, bei dem man allenfalls einmal im Frühjahr und einmal im Herbst Hand anlegen muss. Außerdem erliegen die meisten Gärtner früher oder später der Versuchung, die eintönige Rasenfläche durch Farbtupfer zu unterbrechen. Schließlich sind Blumen für viele der Innbegriff eines Gartens. Widerstehen Sie also dem anfänglichen Drang, alles mit Rollrasen auszulegen. Mit intelligenter Planung lässt sich auch ein Blumengarten ganz entspannt angehen. Außerdem gibt es eine Menge teppichbildender Bodendecker, die problemlos auf Wegen und begehbaren Flächen gepflanzt werden können.

Dem Unkraut keine Chance

Unkraut wächst bevorzugt dort, wo keine geschlossene Pflanzendecke existiert. Wer üppige Blütenstauden oder Sträucher mit einem dichten Teppich von Bodendeckern wie Storchschnabel (Geranium), Stachelnüsschen (Acaena), Immergrün (Vinca) oder Thymian (Thymus) unterpflanzt, gibt dem Unkraut kaum eine Chance. Sind die Beete im Nutzgarten abgeerntet, halten schnell wachsende Pflanzen wie Düngelupinen das Unkraut fern und führen dem Boden Nährstoffe zu. Freie Flächen im Beet und um die Pflanzen herum am besten mit Mulch (z.B. Rindenmulch, Strohhäcksel, Laub, angetrocknetem Grasschnitt) bedecken. Das hält zudem die Feuchtigkeit im Boden und befördert die nützlichen Mikroorganismen.

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