Umgraben oder nicht? Was Gärtner wissen müssen

Umgraben oder nicht? Was Gärtner wissen müssen

Umgraben oder nicht umgraben? Gärtner können diese Frage lange und leidenschaftlich diskutieren. Der Boden selbst würde sich dagegen entscheiden. Was Gärtner wissen müssen.

Umgraben ist wichtig, sagen viele gestandene Gärtner. Nur so erhalte man eine gute Bodengare, also einen fruchtbaren, krümeligen, humosen, gut durchlüfteten Boden. Bloß nicht umgraben, kontern seit Jahren vor allem Biogärtner. Das Wenden der Schollen zerstöre den Lebensraum der Bodentiere. Wer hat Recht?

Fest steht, dass der Boden ein kompliziertes Gefüge aus mineralischen und organischen Stoffen, feinen Wasseradern und Luftporen ist, in denen Wurzeln und Pilze weite Netze weben. Bakterien und Algen errichten unsichtbare Kolonien. Und zahlreiche Tiere vom Maulwurf bis zum winzigen Fadenwurm gehen ihren Geschäften nach. In einem gesunden Boden tragen alle zu einem stabilen Gleichgewicht zwischen Abbau und Aufbau bei.

Umgraben
Umgraben oder nicht? Wer die Nachteile scheut, für den gibt es Alternativen.

Der Boden lebt

Die Organismen in den oberen drei bis acht Zentimetern verarbeiten fast alles, was ihnen an organischer Substanz vor die Nase kommt. Erst vertilgen größere Tiere wie Regenwürmer die abgestorbenen Pflanzenteile und ziehen sie in die Erde. Mikroorganismen zersetzen, was übrig bleibt. Dabei entstehen neben Kohlendioxid auch Pflanzennährstoffe wie Kalium, Harnstoff, Magnesium oder Phosphat.

Der Bodentrupp braucht Luft, Wärme und etwas Feuchtigkeit, um optimal arbeiten zu können. An holzigen Materialien wie Ästen, Stängeln, Stroh oder Rinde beißt sich die Müllbrigade jedoch die Zähne aus. Hier machen sich Bakterien und Pilze ans Werk und zerlegen das Material zu Humus. Das klappt am besten unter der Erde oder einer Mulchschicht aus Laub, Rasenschnitt oder Pflanzenresten. Denn Bakterien und Pilze mögen es eher dunkel, feucht und etwas kühler als ihre Kollegen aus der oberen Etage. Erst der Humus macht die Erde krümelig und nährstoffreich.

Wirbelsturm im Beet

Beim Umgraben wird der Boden mit jedem Spatenstich gewendet. Das fein abgestimmte Räderwerk der Bodenlebewesen gerät durcheinander. Die Sauerstoff liebenden Organismen aus dem Obergeschoss landen unten und schnappen nach Luft. Die Dunkelheit liebenden Tiefparterre-Bewohner trocknen in der Sonne aus. Es dauert mehrere Wochen, bis sich alle wieder sortiert haben.

Mulchen statt Umgraben

Inzwischen hat sich bei den meisten Hobbygärtnern die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur schwere, lehmige Böden tatsächlich umgegraben werden sollten. Die dicken Bodenklumpen werden dann durch starken Frost gesprengt. Diese sogenannte Frostgare macht den Boden schön feinkrümelig. Doch die Freude währt nicht lange, denn ein schwerer Boden verklumpt nach wenigen Regengüssen wieder. Gerade schwere Böden brauchen Humus, damit sie leicht zu bearbeiten sind und dem Gemüse ein gutes Zu Hause bieten.

Dafür wird Jahr für Jahr gemulcht und möglichst häufig Gründünger (Lupine, Klee, Gelbsenf, Bienenfreund etc.) gepflanzt. Sandige oder mittelschwere Böden brauchen nicht umgegraben zu werden. Es reicht, die Erde mit der Grabegabel zu lockern, ohne sie zu wenden. Dazu einfach die Grabegabel alle 20 Zentimeter einstechen und hin und her bewegen.

Wer den Boden im Winter mit Laub, halbverrottetem Kompost, Ernteresten oder abgemähten Gründüngerpflanzen zudeckt, erhält die Nährstoffe und serviert Regenwürmern und Mikroorganismen Feinkost. Welches Laub sich eignet und welches nicht, erfährst Du hier. Im Februar wird die Mulchdecke entfernt und kompostiert, der Boden mit einem Sauzahn oder Grubber durchgelockert und mit reifem Kompost versorgt. Dann kann das Gartenjahr wieder losgehen.

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